Die erste Heimat

ESSAY von SONJA PLESSL 

Die erste Heimat, in die wir hineingeboren werden, ist unser Körper. Sexuelle Ausbeutung kolonisiert den Körper. Es gibt kein Exil außerhalb des Körpers. Glaube nicht, es muss so sein, weil es so ist und immer so war. Unmöglichkeiten sind Ausflüchte steriler Gehirne. Schaffe Möglichkeiten. (Hedwig Dohm, Radikalfeministin, 1831 – 1919)

Die OSZE schätzt, dass etwa 50-75%1 der Prostituierten in Wien Opfer von Menschenhandel sind. 2 Ich verwende die Begriffe „Prostitution“ und „Prostituierte“ anstatt „Sexarbeit“ und „SexarbeiterInnen“. Letztere Termini werden von der Sexindustrie eingefordert. Meines Erachtens verschleiern sie Gewalt und Ausbeutung und suggerieren, Prostitution sei ein gesellschaftspolitisch akzeptables Rezept gegen Frauenarmut. 3 Über 90% der Prostituierten in Österreich sind Migrantinnen. 3 Seit dem Zusammenbruch der realsozialistischen Regime in Osteuropa4 hat sich der Prostitutionsmarkt zugunsten der Kunden entwickelt: Die Preise sanken, das Angebot stieg. Parallel dazu stiegen die Ansprüche der Konsumenten: exotischere Körper, neue Praktiken, Sex ohne Kondom. 5 Auf der Konferenz der nordischen Frauen gegen Gewalt in Reykjavik 2010 erinnerte Taina Bien Aimé von EQUALITY NOW daran, wie einst Sklaverei als natürlicher Teil der Gesellschaft galt, deren Abschaffung unvorstellbar schien. 6 Heute ist zu hören, Prostitution sei unvermeidlich. Schweden, Norwegen und Island stellen sich dem entgegen: Prostitution wird seit dem Übergang zum 21. Jahrhundert als Gewalt gegen Frauen definiert:

Dass Männer sich den sexuellen Zugang zu Frauen erkaufen können, um ausschließlich ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen, widerspricht fundamental der Überzeugung, dass alle Menschen gleich sind. Es verhindert das Streben nach voller Gleichheit zwischen Frauen und Männern. 7

Die schwedischen GesetzgeberInnen erklärten daher per 1999 Freier zu Straftätern: „Wer sich gegen Vergütung eine zufällige sexuelle Beziehung beschafft, wird – wenn die Tat nicht mit einer Strafe nach dem Strafgesetzbuch belegt ist – für den Kauf sexueller Dienste zu einer Geldstrafe oder zu einer Gefängnisstrafe von im Höchstfall sechs Monaten verurteilt“. 8 Auch der Versuch ist strafbar. 9 Prostituierte waren bereits vorher straffrei; sie haben nun ein Recht auf Hilfe zum Ausstieg. 10 Das Sexköpslag11 resultierte aus der Regierungsvorlage Kvinnofrid (Frauenfrieden). 12 Freier, die „lichtscheuen Wesen“13, seien ein Hindernis für die Gleichberechtigung und förderten den Frauenhandel: „Allen Männern, die Sex kaufen, möchte ich sagen: Sie sind mitschuldig an der Ausbeutung eines anderen Menschen“, so der damalige Gleichstellungsminister Jens Orback in seiner Rede vor der UN-Generalversammlung. 14 „Geschlechtshandel“15 habe es im Patriarchat16 immer gegeben. Das Zurückreichen bis in graue Vorzeiten sei allerdings kein Grund, daran festzuhalten. 17

Begleitet wurde „Frauenfrieden“ von breit angelegter öffentlicher Aufklärung und einer Intensivierung der Sexualerziehung, die in Schweden seit den 1940ern Teil des Bildungswesens und seit 1957 verpflichtend ist und auch Gefühlsleben, sexuelle Identität, Gleichstellung der Geschlechter und Auswirkungen von Pornografie einbezieht. 18

2010 wurde die Evaluierung über die Auswirkungen des schwedischen Modells von 1999 bis 2008 vorgelegt. 19 Der Menschenhandel ist in Schweden nicht gestiegen – entgegen dem internationalen Trend. Die Kriminalisierung von Geschlechtshandel wirke als Barriere: Händler raten von Schweden aufgrund der schwierigen Marktlage ab. 20 Die Ausforschung der Hintermänner ist leichter geworden, da sich durch Verfahren gegen Freier die Beweisführung nicht mehr ausschließlich auf das Opfer alleine stützen muss. 21 Prostituierte geben an, dass sie sich von der Polizei ernster genommen fühlen und sich eher an Hilfsangebote wenden. 22 Ermutigt von der Verhaftung des ehemaligen Polizeichefs Lindberg, verklagte eine Prostituierte einen Minister, Sex von ihr gekauft zu haben. Hatte 1977 selbst die Inanspruchnahme einer minderjährigen Prostituierten für die politische Ikone Olof Palme keinerlei Konsequenzen, „muss [heute] ein Politiker abtreten, weil man der Prostituierten glaubt“23. Die gesellschaftliche Wirkung des Gesetzes liegt weniger in der direkten Bestrafung der Sexkäufer, als vielmehr in deren öffentlichen Bloßstellung24: „Manche laden wir auch mehrmals vor, das merkt dann die Ehefrau garantiert. „25

Grundlage des Anti-Freier-Gesetzes waren mehr als 30 Jahre Freierforschung26, die Frauenbewegung und Frauenhäuser Schwedens, das Festhalten am Radikalfeminismus27 und ein Frauenanteil im schwedischen Parlament von über 40%28. „Because we have strong women“, resümierte der schwedische Botschafter in Wien Hans Tage Harald Lundborg. 29

 

Der Freier unterscheidet sich nur in einem Punkt vom statistischen Durchschnitt: in seiner Haltung gegenüber Frauen. Sex mit einer Prostituierten – also ohne zwischenmenschliche Beziehung – bietet diesen Männern eine Fluchtmöglichkeit: Sie entziehen sich der Auseinandersetzung mit der eigenen Unfähigkeit, in Beziehungen nicht nur zu nehmen, sondern auch zu geben. 30

 

Der typische Freier ist der Mann von nebenan. Daher nennt man ihn nach den gebräuchlichsten männlichen Vornamen im Polnischen „Anton“, im Englischen „John“. 31 Im Schwedischen wird er „torskar“ genannt, eine eindeutig abwertende Bezeichnung. 32 Im Deutschen heißt er „Freier“ – und weckt Bilder von „Freiheit“. Manche Freier sind erst elf Jahre alt.33 Der typische Freier ist zwischen 30 und 50, jeder zweite ist verheiratet, 40% haben Kinder, die Hälfte Abitur oder Universitätsabschluss, und vielleicht sitzt er uns gerade im Büro gegenüber. 34 Kalle Holm von der schwedischen Prostitutionseinheit fasst die Rechtfertigungsgründe der Freier, die von Rationalisierung („nütze Sexarbeit“) bis Emotionalisierung („kaufe Liebe als Therapie“) gehen, knapp zusammen: „Die meisten sagen, sie tun es, weil es zu Hause nicht mehr klappt. Sie haben immer Ausreden, warum sie Frauen sexuell ausbeuten. „35

Der Anteil von Freiern in der obersten Gesellschaftsschicht ist mit 20% am höchsten, so die schwedische Freierforschung, jeder Dritte, der in Stockholm und Umgebung verurteilt wurde, sitzt auf einem Chefsessel oder in der Leitung eines Unternehmens. 36

Prostitution hat mit dem Blick auf Frauen zu tun: Vor Einführung des Gesetzes waren in Schweden 13, 6% der Männer Sexkäufer, jetzt sind es 7, 9%37 Zum Vergleich: In Spanien sind es 39%38, in den Niederlanden 60%39, in Thailand haben 73% mindestens einmal Sex gekauft40, in Deutschland reichen die Angaben bis zu 75%41, jeder dritte Mann geht regelmäßig zu Prostituierten42. Freier kaufen ein Stück „alte“ Männlichkeit: Die Prostituierte macht gegen Bezahlung das, was der Mann will, bestätigt seine Männlichkeit, inszeniert seine sexuellen Wünsche als die ihren. 43 Rassisten bedienen sich gezielt. Stereotype spielen eine große Rolle, schwarze Frauen seien „wild“, Asiatinnen „devot“, Ukrainerinnen „naturgeil“ – und werden explizit als solche in Annoncen beworben. Das Klischee der „herzlichen Osteuropäerin“ verschiebt sich dabei immer weiter nach Osten: Je verzweifelter die Lage der Prostituierten, desto mehr kann man von ihr verlangen. 44

Wie es möglich sei, fragt die französische Historikerin Malka Marcovich von der Coalition Against Trafficking in Women, dass europäische Menschenrechts- und globalisierungskritische Organisationen weder den Rassismus in der Sexindustrie sehen wollen noch deren Globalisierung problematisch finden?45

Das Wissen über Menschenhandel ist unter Freiern erstaunlich hoch.46 „Wer glaubt, Männer würden sich nicht bei Frauen bedienen, die zur Prostitution gezwungen werden, ist naiv. Viele meiner Kunden meinten, sie erweisen mir einen Dienst. Dass sie einem armen russischen Mädchen ökonomisch helfen“, schreibt Natasja Tenjevaj47 in ihrem Buch „Såld“.48 Mitunter wirkt das Wissen, eine Sexsklavin zur Verfügung zu haben, sogar erregend. „[A]bsolut stumm beim Akt, liegt mit leeren, zur Decke starrenden und weit geöffneten Augen da und lässt alles über sich ergehen: absolute Empfehlung für Liebhaber eines schönen Gesichts, das Verachtung ausdrückt, während man sie beglückt.“49

 

Das Lächeln der Not50

 

Grenzen meines Körpers sind die Grenzen meines Ichs. Die Hautoberfläche schließt mich ab gegen die fremde Welt: auf ihr darf ich, wenn ich Vertrauen haben soll, nur zu spüren bekommen, was ich spüren will. (Jean Améry51)

 

Du bist ihnen ausgeliefert, den Männern. Sie schlafen mit dir, weil du Geld brauchst. Sie überschreiten Grenzen. Das bereitet permanenten Stress. Danach ist die Erschöpfung enorm. Man hat überlebt, man will nur noch schlafen. Doch dann kommt vielleicht schon der nächste Kunde. (Emily, 33, Prostituierte in Kenia52)

 

Der alte Hurenrat „Schlüpf aus Deinem Körper“ wird in der Traumaforschung Dissoziation genannt: Es ist eine Überlebensstrategie, passiver geistiger Widerstand gegen die Grenzverletzungen des Körpers. Wenn Alternativen fehlen, wird Dissoziation mit der Übernahme des Fremdbildes gekoppelt. Die „Sexarbeit“ angeblich postfeministisch emanzipierter Frauen ist vor allem eine Domäne jener, die „nur wenige Chancen im Leben“ hatten. Damit ist nicht immer Armut gemeint. PRIS, eine schwedische Selbstorganisation ehemaliger und aktiver Prostituierter (Prostituerades Revansch I Samhället – Revanche der Prostituierten in der Gesellschaft) schreibt, der enge Zusammenhang zwischen früherer erlittener sexueller Gewalt und Prostitution sei unter aktiven Prostituierten ein Tabu: „Dem ausgesetzt worden zu sein ist in einer Position, wo das Ideal der ‚glücklichen Hure‘ gilt, mit großer Scham verbunden. “ Es laufe etwas grundlegend falsch, wenn Täter weniger Beschämung ausgesetzt sind als Opfer. 53

Internationale Studien belegen, dass zwischen 65-90% der Prostituierten sexualisierte Gewalt in der Kindheit erlitten haben54; 70% kamen vor ihrem 18. Geburtstag in die Prostitution, weltweit liegt dieses Durchschnittsalter bei 14 Jahren55. 92% der Prostituierten würden aus der Prostitution aussteigen, wenn sie könnten. 56 In der modernen Populärkultur werden Frauen und Mädchen als Objekte dargestellt, damit werde ein falsches Bild von Prostitution gezeichnet und die Gewalt trivialisiert, so die schwedische Regierung. Prostituierte erleiden „Verletzungen und lebenslange Schäden am Skelett, im Genitalbereich und im Anus“. Dass beim Sexkauf Geld fließt, mildere in keiner Weise die physischen und psychischen Schäden, die zugefügt werden. 57 „Ich beobachte die Medien, wie eine Reportage aufgebaut ist“, sagte mir Lenka Nieblova, die über Prostitution und Frauenhandel forscht, über die hiesige Medienlandschaft, „das ist nicht einmal an der Oberfläche gekratzt. Da holen die sich einen Doktor, einen Psychologen, einen Wissenschaftler, der vielleicht selbst Kunde ist, der das [die freie Wahl] natürlich dann untermauert. „58

Eine Legalisierung der Sexindustrie, so die nordische Argumentation, würde die Diskriminierung von Frauen legitimieren und sie – der neoliberalen „Privatisierung des Unglücks“ entsprechend59 – unsichtbar machen. Das Stigma der Hure würde nicht aufgehoben, es würde, da es ein inhärenter Teil des „Geschlechtshandels“ ist, verstärkt werden: Die kapitalistische Verwertungslogik würde Sex-Unternehmer dazu zwingen, eben dieses Stigma am originellsten zu vermarkten, die Gewalt gegen Prostituierte würde steigen. 60

Flatrate-Sex, die neueste Innovation in der deutschen Prostitutionsbranche, bestätigt diese Einschätzung: Geworben wird mit „Sex mit allen Frauen, solange Du willst, so oft Du willst und wie Du willst. Sex mit allen Extras! Analsex, Oralsex, Natur, 3-er, Gruppensex, Gangbang … Alles ist möglich!“ Bereits 2009 gab es in Deutschland 100 Flatrate-Bordelle. 61 In Internet-Foren beschwerten sich Freier, „dass die Frauen bereits zu Mittag im Geschlechtsbereich wund sind“, dass sie „ständig weinten“ und nicht gut arbeiteten. 62 Auf „Bukake-Partys“ kann eine unbegrenzte Anzahl von Männern auf eine Frau ejakulieren, „The Blow Box“ lädt zur „Gang Bang Party“ für 35 Euro pro Teilnehmer, denen zwei Girls „unbegrenzt“ zur Verfügung stehen, das „Teenyland“ bietet „süße Lolitas“, die über 18 sind, „aber nicht so aussehen“, zur Auswahl stehen das „Klassenzimmer“ mit Schultafel oder das „Prinzessinnen-Zimmer“ mit rosa Kinderbett. 63

 

2008 schloss sich Norwegen dem schwedischen Modell an, nachdem vergleichende Studien über die Auswirkungen der niederländischen und der schwedischen Gesetzeslage durchgeführt worden waren. 64 2009 folgte Island. 65 Das schwedische Modell wurde zum nordischen.

Die SozialdemokratInnen Dänemarks möchten es übernehmen66, Irland plant seine Einführung67, in Frankreich wird ein entsprechender Gesetzesentwurf demnächst dem Parlament zur Begutachtung vorgelegt, das Gesetz könnte 2012 in Kraft treten68.

„I guess the men of Iceland will just have to get used to the idea that women are not for sale“, sagt Guðrún Jónsdóttir, Direktorin von Stígamót, dem isländischen Krisenzentrum für misshandelte und vergewaltigte Frauen, die den Kampf gegen die sexuelle Ausbeutung anführte – worauf sie und ihre Töchter Todesdrohungen erhielten. „Da wurde mir bewusst, dass ich es mit wirklich gefährlichen Leuten zu tun habe. Dazu kam das Schweigen in der Gesellschaft. Das hat mich mit allem anderen überzeugt, dass Prostitution eine Form sexualisierter Gewalt ist, denn die Gesellschaft reagierte in genau der gleichen Weise wie damals, als wir das Tabu um Kindesmissbrauch brachen. „69

2006 sollte in Finnland das schwedische Modell übernommen werden – und wurde auf halbem Wege gestoppt. Im Vorfeld, so die ehemalige Abgeordnete zum Europaparlament, Maria Carlshamre, habe es intensives Lobbying von Seiten der Sexindustrie gegeben, deren Vertreter sich als Experten und Forscher zur „Sexarbeit“ ausgaben – dahinter stehe aber immer die internationale Kriminalität mit ihrer enormen Finanzkraft.70 Ihre ökonomische Macht wird zunehmend zum politischen Machtfaktor und untergräbt die Demokratie. „Die unfassbare Leichtigkeit“, schreiben Levenkron und Dahan, „mit der zu Beginn des 21. Jahrhunderts Menschen gehandelt werden können, hat eine eigene Zunft von Menschenhändlern und Zuhältern entstehen lassen. „71 Sie streben nach gesellschaftlicher Anerkennung als Unternehmer.

 

Das Gefährlichste für die Gleichberechtigung ist der Mythos, wir hätten sie schon. (Ingunn Yssen, ehemalige norwegische Gleichstellungsbeauftragte72)

 

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts hatte der Europäische Gerichtshofs entschieden, Prostitution sei eine gleichberechtigte Erwerbstätigkeit. Damit stand der „wirtschaftlichen Verwertung der Prostitution“ samt Bewerbung und Börsengang73 nichts mehr im Wege. Hurer74 bekamen grünes Licht. 2000 legalisierten die Niederlande die Sexindustrie – ihr Anteil am BNP belief sich bereits 2006 auf 5%75 – 2001 folgte Deutschland76, derzeit diskutiert Prag77. Immer wird die angestrebte Besserstellung der Prostituierten betont. Man erwarte sich ein Zurückdrängen der Gewalt und des Menschenhandels, letzterer müsse bekämpft, von Prostitution klar unterschieden und diese gesellschaftlich anerkannt werden. An die Scheide zwischen „freiwillig“ und „Zwang“ stellt man den Freier: Er möge bewusst fair-trade sex shoppen. Prostitution an sich sei kein Problem der Geschlechter. Zynischer argumentierten die Liberalen in Slowenien: Prostitution sei eine unternehmerische Möglichkeit für Studierende, einem Nebenverdienst nachzugehen. 78

Die Debatte in Österreich79 lehnt sich maßgeblich an das deutsche Modell an80, das sich wiederum das niederländische zum Vorbild nahm – dessen Evaluierung 2007 ergab, dass zwar Bordellbetreiber die Liberalisierung guthießen, diese die Lage der Prostituierten aber nicht verbesserte, im Gegenteil: „… the well-being of prostitutes is lower in all measured aspects than it was in 2001, and the use of sedatives has increased. „81 Nur 6% der Gemeinden bieten auch Ausstiegsprogramme für Prostituierte an. 82 Die Evaluierung des deutschen Prostitutionsgesetzes zeigte ebenfalls, dass „Fachberatungsstellen seit mehreren Jahren die Streichung öffentlicher Mittel [beklagen]. „83 Die neu geschaffene Möglichkeit, Arbeitsverträge als Prostituierte abzuschließen, wurde in beiden Ländern von nur 1-3% der Frauen genützt. 84 „Die Idee, eine rechtskonforme Branche sei entstanden, ist Illusion“, heißt es im Bericht der niederländischen Polizei von 2008. 85

2004 wurde in Österreich die Task Force Menschenhandel eingesetzt, die einen Nationalen Aktionsplan gegen Menschenhandel ausarbeitete. Dieser sieht auch die „Überprüfung rechtlicher Grundlagen und allfällige Entwicklung eines Modells zur arbeits- und sozialrechtlichen Absicherung von Prostituierten“ vor. 2007 wurde ein ExpertInnenkreis „Prostitution“ eingerichtet, der seinen Bericht 2008 vorlegte. 86 Auf meine Anfrage, ob und inwieweit das nordische Modell berücksichtigt wurde, erhielt ich vom Bundesministerium für Frauen und Öffentlichen Dienst im Oktober 2010 zur Antwort:

Eine generelle Freierbestrafung und der damit verbundene Stigmatisierungsversuch der Freier schaffen aber noch keine alternativen Einkommensmöglichkeiten. […] Hier stellt sich die drängende Frage, wo der Nutzen dieser Zugangsweise für die betroffenen Frauen liegt. Solange keine existenzsichernden Alternativen bestehen, würden sie weiterarbeiten (müssen), aber unter schwierigeren und unregelbaren Umständen. Auch wenn für diesen Zugang emotional Verständnis aufgebracht wird, wird darin in seinen praktischen Auswirkungen eine Gefahr für Frauen gesehen, die sexuelle Dienstleistungen (dennoch) anbieten. 87

In diesem Punkt haben Ministerium und ExpertInnen zweifellos Recht: Ohne Ausstiegsprogramme hätten Prostituierte wenig vom nordischen Modell. Gerade aber die staatlichen Unterstützungsprogramme für Prostituierte, die aussteigen wollen, sind zentraler Teil des nordischen Modells. Allein in seinem Aktionsplan 2008-2010 gegen Prostitution und Menschenhandel stellte Schweden 213 Millionen Kronen zur Verfügung, ein Großteil davon für die Betroffenen.88 In Norwegen eröffnete das „Senter for arbeidslivsforberedelse“ im Februar 2011 in Bergen ein Hotel, das in Anlehnung an ein Projekt in Kopenhagen Arbeitstraining für ehemalige Suchtmittelabhängige und Prostituierte bietet. 89 Die Kommune Bergen investierte 2010 knapp zwei Millionen Kronen in das Hotelprojekt. 90 In Oslo bietet „ROSA“ Frauenhandelsopfern und Prostituierten Hilfe und Schutz, und das Krisenzentrum „Nadheim“ unterstützt Prostituierte, die aussteigen wollen, bei der Integration in den Arbeitsmarkt. „ROSA“ arbeitet mit Frauenhäusern zusammen91, „Nadheim“ mit Unternehmen92.

In Wien wurde ein 7-Punkte-Programm für den Straßenstrich erarbeitet. Dieser enthält unter anderem die Entlastung derzeit überlasteter Straßenzüge durch Verlagerung des Straßenstrichs in vorgegebene Zonen. In der Linzer Straße wurde eigens ein Parkverbot ab 20 Uhr verhängt, um das Anhalten der Freier zu ermöglichen. 93 Der Bund wird aufgefordert, die Sittenwidrigkeit der Prostitution aufzuheben.

Prostitution ist in Österreich je nach Bundesland unterschiedlich geregelt, grundsätzlich seit 1975 legal, seit 1983 sind Prostituierte steuerpflichtig, erst seit 1998 können sie sich als „prekäre“ Selbstständige sozialversichern.94 Die Sittenwidrigkeit besteht weiterhin, Prostituierte können darum ihr Honorar nicht einklagen. Mit ihrer Aufhebung erhofft sich der ExpertInnenkreis „Prostitution“ eine Verbesserung der Lage der Prostituierten. Die Auswertung des deutschen Modells im Jahr 2007 zeigt allerdings, dass seit der Liberalisierung der Prostitution „die Möglichkeit der gerichtlichen Durchsetzung bislang nur in verschwindend geringem Ausmaß genutzt wurde“.95

Unklarer war nach Abschaffung der Sittenwidrigkeit in Deutschland allerdings die Rechtslage arbeitsloser Frauen geworden: Mehreren drohte nach der Ablehnung eines Jobs als Prostituierte oder der Weigerung, diesen weiterzuführen, die Kürzung ihres Arbeitslosengeldes.96 Erst 2009 entschied das Bundessozialgericht – nach Klagen eines Bordellbetreibers gegen die Agentur für Arbeit -, dass diese zur Vermittlung von Prostituierten nicht verpflichtet sei.97

 

Wenn sie sich ein bisschen ziert, macht das gar nichts. (Polizeilich aufgezeichnete Bestellung minderjähriger Osteuropäerinnen bei einer noblen Wiener Escort-Agentur durch betuchte Kunden, von Parlamentsangehörigen bis zu Staranwälten98).

 

Menschenhandel ist zu über 90% Frauen- und Kinderhandel. 99 Die meisten Menschen werden in die sexuelle Ausbeutung gehandelt, es ist das Verbrechen mit den höchsten Zuwachsraten. 100 Frauen und Mädchen stellen in der Sexsklaverei 98% der Opfer. 101 Alleine in Österreich sind in den Jahren 2007 und 2008 2. 800 illegale Bordelle aufgedeckt worden. 102 Die Pornobranche ist ein treibender Faktor für die steigende Nachfrage der Sexkäufer: „Pornografie vermittelt ein Bild von Frauen als Ware. Dasselbe Bild ist Voraussetzung für Sexkauf. „103 (Unter Pornographie ist im Radikalfeminismus die Verknüpfung von Lust an Sex mit Lust an Erniedrigung zu verstehen.)

Westeuropa gehört zu den größten Handelsplätzen, 500.000 Frauen und Kinder jährlich werden hierher verkauft. 104 Sie werden immer jünger, alleine in den letzten paar Jahren sank das Durchschnittsalter von 23 auf 17 Jahre. 105 Die Nachfrage nach Sex treibt auch den globalen Handel mit Kindern voran. Osteuropa weist nach Südostasien die meisten Opfer auf. 106 Es ist eine Anknüpfung an alte Zeiten: Im 19. Jahrhundert, als sich der moderne Menschenhandel erstmals in großem Stil entwickelte, kamen die meisten Opfer aus Galizien, der Bukowina und Ungarn. Damals gingen die Lieferungen in die Neue Welt. Nach dem Ersten und nach dem Zweiten Weltkrieg wurden auch aus Österreich Frauen gehandelt. 107

Heute sind Deutschland, die Niederlande und Großbritannien einige der wichtigsten Zielgebiete. 108 Moskau und der Balkan gelten als zentrale Umschlagplätz, der Balkan nicht zuletzt aufgrund der durch die KFOR-Friedenstruppen ausgelösten Nachfrage. 109 Gefügig gemacht werden Frauen auf verschiedene Arten – durch religiöse Gewalt110 im Fall der Nigerianerinnen der Juju-Priester (in Europa Voodoo genannt), physische Gewalt gegenüber Osteuropäerinnen. Häufig werden die Kinder der Frauen (rund ein Drittel sind Mütter), Schwestern oder Eltern bedroht. Augenzeugen berichten, dass Frauen in Lagern in Polen, Albanien, Italien und anderen Ländern hinter Stracheldrahtzaun gehalten, Hunger und sexueller Gewalt ausgesetzt und von der Mafia mit Eisen gebrandmarkt werden. 111 Manchmal kommt es zu Morden, um alle anderen zu terrorisieren. Auf Auktionen werden die Frauen nackt zum Tanzen gezwungen, Händler betasten ihre Geschlechtsorgane, prüfen ihre Zähne, verlangen pornographische Posen, feilschen mit den Mitbewerbern um den Preis. 112

Der Markt – die Sexkäufer – verlangt nach immer neuen Frauen, die „Moden“ ändern sich laufend, „the girls from St. Petersburg will cause a stir, because the Italians and the Ukrainians are out of fashion“, gibt ein italienisches Abhörprotokoll wieder. 113 Gehandelt wird hin und retour, von Nicaragua nach Guatemala, von Honduras nach Guatemala. 114 Eine Voraussetzung für den Handel mit Menschen ist die Korruption von Behörden. Sie machte Wien zur Drehscheibe für den Handel mit Nigerianerinnen – und während die Botschaft eine „Visa-Fabrik“ geworden war, erhielt der Pressesprecher der staatlichen Stelle zur Bekämpfung des Frauenhandels für die Teilnahme an einer UN-Tagung gegen Frauenhandel in Wien kein Visum. Belgrad, Budapest, Kiew, Sarajevo, Ankara, Bukarest sind Knotenpunkte des Frauenhandels und überall gerieten die österreichischen Botschaften unter Verdacht115. „Doch das Außenministerium griff nicht durch, sondern sanktionierte jene, die Unregelmäßigkeiten feststellten. „116 Österreich kommt den Menschenhändlern auch anderweitig entgegen: Seit 2004 können Asylwerberinnen, denen der reguläre Arbeitsmarkt ja verwehrt bleibt, um eine Arbeitsgenehmigung als Prostituierte ansuchen. Menschenhändler wissen über Gesetze Bescheid. Asylverfahren dauern in der Regel drei bis vier Jahre. „Es ist eine ideale Zeitspanne, um die Mädchen und Frauen gerade so lange auszubeuten, wie es am lukrativsten ist.“117

Mit den zunehmenden Warnungen gegen Frauenhandel haben die MenschenhändlerInnen ihre Strategien verfeinert, heute wird ein Großteil der Rekrutierung nicht über Agenturen, sondern über persönliche Kontakte abgewickelt: Bekannte, Nachbarn, Familienmitglieder, FreundInnen – oder, wie im Fall der 13jährigen Schülerin Daniela aus Bulgarien, der eigene Freund: „Er machte so was, das wusste ich aber damals noch nicht. Er sammelte Mädchen, um sie dann zu verkaufen. An dem Abend konnten die aber keine Mädchen finden und so hat er einfach mich verkauft. „118

 

Wären Männer wirklich Triebwesen, müssten wir sie im Zoo einsperren. (Erich Lehner119)

 

In Schweden sprechen sich laut der letzten Evaluierung 71% der Bevölkerung für das Gesetz aus (79% Frauen, 60% Männer), wobei die Zustimmung in der Gruppe der 18-28jährigen am höchsten ist. 120 Die Anzahl der Sexkäufer ist gesunken. 121 Die Warnungen der Sexindustrie, die Kriminalisierung der Freier würde deren Gewaltbereitschaft erhöhen, stellten sich als Mythos heraus. 122 „Man kann sehr wohl mit Männern arbeiten“, so der Psychoanalytiker und Geschlechterforscher Erich Lehner, dies sei „eine historische Erfahrung“, die Schweden bereits mit der Gestaltung aktiver Vaterschaft gemacht habe – eine gute Prävention im Übrigen: Vergleichende Kulturstudien belegen, dass sich damit auch Männlichkeit ändere, Väter, die sich aktiv an der Betreuung ihrer Kinder beteiligen, neigen seltener dazu, sie als Sexobjekte zu instrumentalisieren, der Anteil von Pädophilen ist unter ihnen geringer. 123

 

Schweden, Norwegen und Island könnten sich trotzdem irren. Oder Österreichs Männerlandschaft könnte hochresistent sein – in diesem Fall plädiere ich für die Einführung eines verpflichtenden Sexdienstjahres für alle Frauen, um die anfallende Arbeit mit unseren Schwestern, von denen heute rund 90% Migrantinnen und 50-75% Sexsklavinnen sind, solidarisch zu schultern. Wir könnten damit einem Teil des Frauenhandels entgegenwirken. Wie mir Prof. Nautz mitteilte, ist meine Idee nicht neu, sie wurde bereits von Troll- Borostyáni gedacht: „… dann müsst Ihr eine allgemeine Prostitutionspflicht einführen für das weibliche Geschlecht, wie wir eine allgemeine Wehrpflicht haben für das männliche. Ah, das wollt Ihr aber nicht!“124

 

Freier sind frei. Sie haben die Freiheit, von der Unfreiheit anderer zu profitieren.“Gerechtigkeit“, schreibt Robert Menasse, „beschneidet die Freiheit derer, die sie sich herausnehmen können“.125

 

 

Sonja Pleßl, geb. 1976, studierte Übersetzen (Französisch/Russisch), Skandinavistik und Politikwissenschaft in Wien, Paris und Winnipeg. Frauenrechtsaktivistin, Lernbegleiterin, Hilfsprojekt für Kindertuberkulosekrankenhaus, Charkov, Ukraine. Schreibt Essays und Prosa.

Dank gebührt den Interview-, Korrespondenz- und GesprächspartnerInnen: Lenka Nieblova, Anna Gutsol und Tatjana Kozak, FEMEN (Kiew), Christiana Weidel, Marquez Eurídice, Erich Lehner, Þórdís Elva Þorvaldsdóttir, Tove Smaadahl, Edda Jónsdóttir, Mona Larsen-Asp, Mildrid Mikkelsen, Iinger-Lise W. Larsen, Karin Enodd und Trude Johnsen, Olav Lægdene, Robert Jensen, Jeff Lee, Sonja Lokar, Hans Lundborg, Robert Menasse, Jürgen Nautz, Kate Rexe, Paul Rosdy, Åke Setréus, Györgyi Tóth, Vladimir Vertlib.

 

Anmerkungen

 

Der Essay wurde erstpubliziert in „Zwischenwelt. Zeitschrift für Kultur des Exils und Widerstands“ der Theodor Kramer Gesellschaft, 28. Jg., Nr. 1-2, Juni 2011, S. 23-30., und auch in „Frauenforscherin 2011/2012“ veröffentlicht.

 

 

1 Die Standard, 26.11.2009, „Die Gewalt der Menschenhändler erschwert den Ausstieg“. Für die Definition von Menschenhandel siehe das wichtigste internationale Abkommen: Zusatzprotokoll zur Verhütung, Bekämpfung und Bestrafung des Menschenhandels, insbesondere des Frauen- und Kinderhandels zum Übereinkommen der Vereinten Nationen gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität (2000) (Palermo-Protokoll) www.admin. ch/ch/d/ff/2005/6809.pdf. – Weiterentwicklung durch den Europarat: Übereinkommen des Europarats zur Bekämpfung des Menschenhandels (2005) http://conventions.coe.int/Treaty/GER/Treaties/Html/197. htm.

2 Vgl.: Apne Aap Women Worldwide, Rede von Ruchira Gupta auf der vierten Weltkonferenz Menschenrechte (2010): Defending and strengthening the right to work, despite the economic crisis www.apneaap. org/founder/speeches/speech-4th-world-forum-human-rights-nantes-france. Ekberg, Gunilla (2002): Prostitution and Trafficking in Women: Basic Concepts, 5-8; Carlshamre, Maria (2008): Entwurf eines Berichts über die Prostitution in den Mitgliedsstaaten und die gesundheitlichen Folgen für die Frauen. Europäisches Parlament PR\712985DE. doc, 9 www.europarl. europa. eu/meetdocs/2004_2009/documents/pr/712/712985/712985de.pdf. Hagemann, Susanne (2007): Freiertum ist immer eine Menschenrechtsverletzung www.solwodi. de/414. 0. html.

3 Kreutzer, Mary/Milborn, Corinna (2008): Ware Frau, 169.

4 In den 90er-Jahren gingen in Mittel- und Osteuropa rund 14 Millionen Arbeitsplätze für Frauen verloren. Vgl.: Bell, Inge, in: Ackermann et al. (2005): verkauft, versklavt. zum sex gezwungen. 37.

5 Die Nachfrage nach Sex ohne Kondom ist im letzten Jahrzehnt stark gestiegen. Vgl.: BM für Frauen und Öffentlichen Dienst (2008): Prostitution in Österreich. Rechtslage, Auswirkungen, Empfehlungen, 34, www.frauen. bka. gv. at/DocView. axd?CobId=31425.“Draußen locken Marktschreier in die Clubs und werben mit ‚Bio-Sex‘ – Sex ohne Kondom“; „wer das nicht mehr anbietet, der hat kaum eine Chance auf Kunden“, Bordellbesitzer Gregor (Kreutzer/Milborn, wie Anm. 3, 43, 69, 70).

6 Konferenz über sexuelle Gewalt vom 22.-25.10.2010 in Island, Reykjavik, organisiert von den Nordischen Frauen gegen Gewalt, Stígamót und Skotturnar. Bien Aimé: „Slavery was a cultural institution“. Eigene Notizen.

7 Kvinnofrid, Enquête-Kommission über Prostitution (SOU 1995:15), 4 www.sweden. gov. se/content/1/c6/02/51/23/5ceff4b3.pdf; dt. Übers. zit. n.: EMMA: Strafe für Freier. Modell Schweden, Köln März/April 2000.

8 Strafgesetzbuch SFS 2005:90 (vorher SFS 1998:408) www.riksdagen. se/webbnav/?nid=3911&bet=1962:700#K6. Dt. Übers. zit. n. EMMA (3/2003): Modell Schweden www.emma. de/hefte/ausgaben-2003/maijuni-2003/modell-schweden/. Das schwedische Parlament wird im Mai 2011 über den Regierungsentwurf abstimmen, die Höchststrafe von sechs auf zwölf Monate Gefängnis zu verdoppeln (Gespräch mit Gunilla Berglund, Schwedisches Justizministerium, April 2011). Die Evaluierungskommission hatte u. a. eine Strafverschärfung empfohlen (SOU 2010:49, Förbud mot köp av sexuell tjänst, 42 www.sweden. gov. se/content/1/c6/14/91/42/ed1c91ad.pdf). Konservative und Liberale, die 1998 noch gegen ein Sexkaufverbot waren, sprechen sich für die Gesetzesverschärfung aus (EMMA Frühling 2011: Sexkauf ist strafbar! Dossier: Die Ware Frau. www.emma. de/hefte/ausgaben-2011/fruehling-2011/prostitution-die-ware-frau/). Die Sozialdemokraten wollen außerdem nach norwegischem Vorbild die Forderung nach doppelter Strafbarkeit aufheben. Somit wäre Sexkauf auch dann strafbar, wenn er in Ländern stattfindet, in denen dies legal ist (Radio Schweden, 23.3.2011, http://sverigesradio. se/sida/artikel. aspx?programid=2108&artikel=4416430). Für Friedensmissionen gilt dies bereits, mehrere Soldaten und Offiziere wurden wegen Sexkauf im Kosovo verurteilt (Ekberg, Gunilla (2004): The Swedish Law That Prohibits the Purchase of Sexual Services. Best Practices for Prevention of Prostitution and Trafficking in Human Beings. Ministry of Industry, Employment, and Communications, 1198 u. 1199. In: VIOLENCE AGAINST WOMEN, Vol. 10, Oct. 2004, 1187-1218. http://action. web. ca/home/catw/attach/Ekberg.pdf.

9 För försök döms til ansvar enligt 23 kap. Brottsbalken. Siehe: Ekberg, wie Anm. 2, 25.

10 Ekberg, wie Anm. 8, 1189.

11 Hintergrundinformationen und Evaluierungen des Sexköpslagen sowie Handlungspläne, siehe: Sexköpslagen: www.sweden. gov. se/sb/d/2593/a/116601, Legislation on the purchase of sexual services: www.sweden. gov. se/sb/d/4096/a/119861; sowie http://en. wikipedia. org/wiki/Prostitution_in_Sweden#cite_note-27.

12 Regeringens proposition (1997/98:55) Kvinnofrid www.sweden. gov. se/content/1/c4/22/66/5406e038.pdf. Der Name geht auf das 1250 von Birger Jarl eingeführte Gesetz gegen Vergewaltigung u. Frauenraub zurück. Die Regierungsvorlage war Ergebnis der beiden Enquête-Kommissionen über Prostitution und über Gewalt an Frauen. Als Gewaltschutzpaket beinhaltete sie die Einführung des Straftatbestandes schwerer Frauenfriedensbruch gegen die persönliche Integrität der Frau (grov kvinnofridskränkning), bessere Förderung von NGOs wie Frauenberatungstellen, „Männer gegen Männergewalt“, Nationaler Handlungsplan gegen Menschenhandel etc. (Europäische Geschlechterpolitiken – EU-Ländervergleich Schweden. Gunda Werner Institut. Feminismus und Geschlechterdemokratie www.gwi-boell. de/web/eu-laendervergleich-schweden-386. html).

13 Ackermann, wie Anm. 4, 71: „Nichts fürchtet er [der Freier] mehr als die Identifikation“.

14 NIKK (2005): Sex säljer. Kön och makt inom prostitution och pornografi, 5. www.nikk. no/filestore/Publikasjoner/Journalistrapport.pdf (teilweise in Englisch), eigene Übers.

15 Im Schwedischen wird die Bezeichnung „Könshandel“ verwendet.“Geschlecht“ bezieht sich auf das biologische Geschlecht und das im Patriarchat konstruierte soziale Geschlecht.

16 „In Schweden benutzen Feministinnen den Begriff Patriarchat, ohne mit der Wimper zu zucken. […] Die Zeit ist reif, sich den Zusammenhang zwischen der nachhaltigen Ungleichbehandlung auch moderner Frauen und den nach wie vor funktionierenden patriarchalischen Strukturen in unserer Gesellschaft erneut zu vergegenwärtigen.“ (Nestor, Grete (2006): Die Badgirl Feministin, 136. Aus dem Norw. v. Sigrid Engeler.

17 Vgl. Irma von Troll-Borostyáni (1847 – 1912 Salzburg), österr. Schriftstellerin und Frauenrechtlerin: „Diebstahl, Raub und Mord haben auch immer bestanden, aber niemand hat es sich einfallen lassen, zu sagen: Weil Diebstahl, Raub und Mord, trotz aller Gegenmaßregeln der Gesellschaft, immer bestanden haben und bestehen werden, so wollen wir Verordnungen treffen, diese Übel gewissermaßen unter Kontrolle zu stellen; wir wollen ein Gesetz schaffen, worin Ort, Stunde und Art und Weise festgestellt werden wird, wo, wann und wie gestohlen, geraubt und gemordet werden darf.“ (Troll-Borostyáni, Irma von : Ungehalten: Vermächtnis einer Freidenkerin. Salzburg, Otto Müller Verlag 1994, 191, 192).

18 Vgl.: Brottsförebyggande rådet (Brå) (2010:5): Prostitution och människohandel för sexuella ändamål. En första uppföljning av regeringens handlingsplan. Rapport, 33. Rogalands Avis, 2.10.2008: Sexkjøp på skolebenken. Es wurden außerdem Programme entwickelt, die sich an Frauen in Prostitution (FAST) und an Freier (KAST) richten (ebd. , 29) www.bra. se. Seit 2011 wird KAST auch in Norwegen angeboten. Sykepleien. no, 18.2.2011: Sykepleier hjelper sexkunder.

Knudsen, Susanne/ Sørensen, Dina: Youth, Gender and Pornography. In: NIKK (3.2004) Sexualization of Public Space www.nikk. no/filestore/Publikasjoner/NIKK_magasin/mag20043.pdf.

19 SOU 2010:49: Förbud mot köp av sexuell tjänst. www.sweden. gov. se/content/1/c6/14/91/42/ed1c91ad.pdf.

Evaluation of the ban on purchase of sexual services www.regeringen. se/content/1/c6/10/33/66/63f1d5ca.pdf.

20 Abgehörte Telefonate zwischen Menschenhändlern durch die Polizei, Gespräch mit Gunilla Ekberg, UN. Gift Konferenz, 13.2.2008. SOU, wie Anm. 19, 37.

21 Interview mit der mit dem Gleichstellungspreis ausgezeichneten isländischen Journalistin Edda Jónsdóttir, 26.10.2010. Rain and Thunder, Nr. 41 (2008): Abolishing Prostitution, Interview with Gunilla Ekberg, 6 http://action. web. ca/home/catw/attach/R%26T_Interview_with_Gunilla_Ekberg.pdf. In Norwegen gelang über die Ausforschung von Freiern der Zugriff auf Kinderhändler (Raymond, Janice (2010): Why Sweden punishes buyers. The Swedish Approach to Trafficking, Prostitution and the Sex Industry. The Nordic Legal Model, 2

www.soroptimistsweden. se/upload/files/Nyheter%20-%20underlag/Trafficking-Swedish%20Approach.pdf).

22 Jutterdal, Anna (2010): Kvinnofrid. In: Korsvik, Trine Rogg/ Stø, Ane (Hg.) (2010): Nei til kjøp av sex og kropp! Kvinnegruppa Ottar, Kolofon Forlag, 29.

23 Krogerus, Mikael (2010): Das Anti-Freier-Gesetz brachte einen Minister zu Fall. In: EMMA, Herbst 2010 www.emma.de/ressorts/artikel/modell-schweden/anti-freier-gesetz-in-schweden/.

24 SOU, wie Anm. 19. TV 2 Sporten, 10.1.2011: Svensk futballstjerne dømt for sex-kjøp. www.tv2sporten. no/fotball/svensk-fotballstjerne-doemt-for-sexkjoep-3384046. html.

25 Anders Gripenlov, Stockholmer Kommissar, zit. In: Schwarzer (2008): Die Antwort, 151.

26 Zu den renommiertesten Freierforschern gehören der Soziologe Sven-Axel Månsson, Universität Malmö, und Jari Kuosmanen, Universität Göteborg. Siehe das Forschungsprogramm „Gender, Sexualität und Sozialarbeit“ www.mah. se/kossa; das nordische Genderforschungsinstitut NIKK mit Sitz in Oslo www.nikk. no; „Why do Men Buy Sex?“, in: NIKK (1.2002): Bodies across borders – prostitution and trafficking in women, 22-25 www.nikk. no/filestore/Publikasjoner/NIKK_magasin/mag20021.pdf.

27 In Anlehnung an Radikalfeministinnen wie Hedwig Dohm, Simone de Beauvoir und Alice Schwarzer verstehe ich unter Radikalfeminismus (auch Gleichheitsfeminismus, Egalitätsfeminismus) den Grundsatz der Gleichheit (Universalismus) der Geschlechter, herrschende Unterschiede sind hauptsächlich auf Machtstrukturen und Sozialisation zurückzufühen. Vgl.: Wikipedia: http://de. wikipedia. org/wiki/Feminismus; Schwarzer, Alice (2005): Der große Unterschied. Gegen die Spaltung von Menschen in Männer und Frauen.

28 Ekberg, wie Anm. 8, 1212.

29 Hans Lundborg, 16.10.2009, Gespräch nach der Konferenz „Together Against Human Trafficking“, Wien.

30 SOU, wie Anm. 7, 3. gek. dt. Übers. zit. n. EMMA (2000): Strafe für Freier. Modell Schweden.

31 Bell in: Ackermann, wie Anm. 4, 72.

32 Ich danke meinem Gesprächspartner beim Symposium „Exil in Schweden“, 18.6.2010, für diesen Hinweis.

33 Levenkron, Nomi/ Dahan, Yossi (2003): Women As Commodities: Trafficking in Women in Israel 2003. Hotline for Migrant Workers, Haifa Feminist Center, Adva Center, 32 www.hotline. org. il/english/pdf/Women_as_Commodities_Trafficking_in_women_in_Israel_2003_Eng.pdf.

34 Claude, Kajsa (2010): Targeting the Sex Buyer. The Swedish Example: Stopping Prostitution and Trafficking Where It All Begins, 7 www.si. se/upload/Human Trafficking/Targeting the sex buyer.pdf.

35 ARTE Dokumentation (2002) über das schwedische Modell, eigene Notizen.

36 Röstlund, J.A. (2001): Sexköpare ofta män med mycket pengar www.arbetaren. se/articles/xx20100122.

37 Meinungsumfragen von 2008 u. 2006 mit jeweils 2500 Männern zwischen 18 und 74 Jahren. Claude, wie Anm. 34. Brå, wie Anm. 18, 70. Korrespondenz mit Åke Setréus, Socialstyrelsen (schwedisches Sozial- und Gesundheitsamt), 8.7.2010.

38 Månnson, Sven-Axel: Mäns könsköp – en meningsbärande handling på flere nivåer. In: NIKK, wie Anm. 14, 26. no/filestore/Publikasjoner/NIKK_magasin/NIKKmag2_08.pdf

39 Kvamme Marit (2003): Prostitusjon og handel med kvinner, Debatthefte. Nettverk mot prostitusjon og handel med kvinner, 8 www.krisesenter. com/materiell/pdf/prostitusjon_.pdf.

40 Claude, wie Anm. 34, 11. Korrespondenz mit Åke Setréus, Socialstyrelsen ( Sozial- u. Gesundheitsamt), 8.7.2010.

41 Hyllander, Klas, 23.8.2010: Män och sexköp…, män för jämställdhets blogg. http://manforjamstalldhet. wordpress. com/2010/08/23/man-och-sexkop/ (Männer für Gleichberechtigung, Schweden, www.mfj. se/).

42 Bell in: Ackermann, wie Anm. 4, 69.

43 Nicht nur, weil der Freier dafür bezahlt, auch, weil es in ihrem Interesse liegt: Je effektiver sie ihm seine Vorstellungen von Sexualität bietet, desto schneller ist der Kunde befriedigt, desto geringer ihre physische und psychische Belastung. Perner, Rotraud. A: „Freier“ – Über den Hintergrund sexueller Freiheit und Unfreiheit. In: Nautz, Jürgen/Sauer, Birgit (Hg.) (2008): Frauenhandel. Diskurse und Praktiken, 182. Vgl. Ring, Tina/ Tener, Carolin (2007): Auf dem Strich. Mädchenprostitution in Wien.

44 Und desto eher liefert sie den zurzeit kräftig nachgefragten „Girlfriendsex“, Sex ohne Kondom, mit Zungenküsse, Haarekraulen, Kuscheln, Rückenmassage. Küssen galt früher als Tabu, die Frau reservierte sich damit zumindest einen kleinen Teil Intimität für sich (Bell in: Ackermann, wie Anm. 4, 78).

45 Zit. in: Vermeiren (2006): Not For Sale. Marcovich ist Präsidentin von CATW in Europa.

46 Lt. einer Studie waren 55% der britischen Freier überzeugt, dass die Mehrheit der Prostituierten gezwungen, getäuscht oder gehandelt worden waren, es hielt sie nicht vom Sexkauf ab (Bindel, Julie/Farley, Melissa, 2009: Men who buy sex, 16 www.eaves4women. co. uk/Documents/Recent_Reports/Men%20Who%20Buy%20Sex.pdf).“Zur Polizei würde ich sowieso nie gehen, da hätte ich zu viel Angst vor dem Verlust meiner Anonymität“ (Kreutzer/Milborn, wie Anm. 3, 75). Manchmal kaufen Freier Frauen frei. Dies bedeutet nicht immer Freiheit. Oft erheben die „Retter“ absolute Besitzansprüche. Eine Prostituierte, die aus der Prostitution ausgestiegen war, aber wieder einstieg, nachdem ihre Mutter in Nigeria von den Menschenhändlern zusammengeschlagen worden war, wurde von ihrem Verlobten in den Tod gestoßen. Ihre Mutter erlitt einen Herzinfarkt, als sie von dem Mord erfuhr (ebd., 72). Oft heiraten Rassisten gezielt schwarze Frauen, und leben an ihnen und an den gemeinsamen Kindern ihren Rassismus aus (ebd., 85).

47 Tenjeva war als 17jähriges Mädchen von St. Petersburg nach Schweden verkauft worden. Gemeinsam mit Vera Efron, einer russischen Autorin, die als Regimekritikerin einst von der Sowjetunion nach Schweden geflüchtet war, schrieb sie ihre Geschichte nieder.

48 Zit. in: http://nejtillsexköp. nu/ur-verkliga-livet/. Die Webpage „Nein zu Sexkauf!“ enthält mehrsprachige Informationen, Links und Buchtipps nejtillsexköp. nu/lar-dig-mer/.

49 www.erotikforum. at, größtes österr. Onlineportal mit Bereichen für Freier, zit. in: Kreutzer/Milborn, wie Anm. 3, 70.

50 Kaiser, Konstantin, zit. nach: Vertlib, Vladimir: K. Kaiser – der empathische Kritiker. Laudatio 2009.

51 Zitiert in: Osteuropa. Mythos Europa. Prostitution, Migration, Frauenhandel, Jg. 56 (2006), 147.

52 Zit. In: Ackermann, Lea/Allgäuer, Alicia et al (2010): In Freiheit leben, das war lange nur ein Traum, s58.

53 Prostituerades Revansch i Samhället PRIS www.nätverketpris. se, www.nätverketpris. se/goals. html. Vgl.: Ekman, Kajsa Ekis (2010): Varat och varan – prostitution, surrogatmödraskap och den delade människan. (Sein oder Ware – Prostitution, Leihmutterschaft und der geteilte Mensch); in dessen Zusammenhang von der „Verachtung unserer Zeit für Opfer“ und dem „Zwang zur Stärke“ gesprochen wird (www.leopardforlag. se/Article/View/?articleId=187), eigene. Übers.

54 Regeringskansliet (2004): Prostitution and trafficking in women, Fact Sheet, 2 www.prostitutie. nl/fileadmin/nl/6. _Studie/6. 3_Documenten/6. 3e_Internationaal/pdf/prosttrafswedissh.pdf.

Andrea Dworkin, Feministin, Soziologin, die selbst als Prostituierte arbeitete, nennt sexualisierte Gewalt „boot camp“, durch die Mädchen beigebracht werde, dass ihr einziger Wert in der Benutzbarkeit ihres Körpers liege (Dworkin, Andrea (1993): Prostitution and Male Supremacy, Michigan Journal of Gender & Law, Vol I http://nostatusquo. com/ACLU/dworkin/MichLawJourI. html).

55 Regeringskansliet (2005): Prostitution and trafficking in women, Fact Sheet, Art. No. N5029, 2.

56 Farley, Melissa (1998): Prostitution in Five Countries: Violence and Post-Traumatic Stress Disorder. In: Feminism & Psychology, Vol. 8 (4), 405-426 www.prostitutionresearch. com/fempsy2. html; Canada without Poverty (2010): Seeing the connection between prostitution and poverty

www.cwp-csp. ca/Blog/seeing-the-connection-between-prostitution-and-poverty.“Die Bordelle wären leer, wenn die Frauen eine Alternative hätten!“, „ich wüsste sofort sechs Mädchen, die studieren wollen, und die sitzen im Puff“. Gespräche mit einer ehemaligen Prostituierten, 2009/2010, Österreich. Sie wünscht sich die Schaffung eines Mikrokredit- und Stipendienwesens für Prostituierte.

57 Regeringskansliet, wie Anm. 54, 2.“Sie war nicht scharf darauf, hart gefickt zu werden. […] Wieder ein osteuropäischer Scheißfick.“ Freier, zit. in: Walter, Natasha (2010): Living Dolls, 75.“Die Ärztin schaute auf und sagte, ich hätte zahlreiche kleine innere Risse, und da alles noch so geschwollen sei, könne sie sie nicht nähen. Mit dem längeren in der Nähe des Eingangs sei das eine andere Sache und der sei offenbar die Hauptursache für die Blutungen.“ (Prostituierte, zit. ebd,, 79). Ein eigenes erfülltes Sexualleben ist meist nicht mehr lebbar: „… ich hab kein Gefühl mehr dabei.“ Junge Wiener Prostituierte über ihr Sexualleben, zit. in: Ring/Tener, Anm. 43, 84.

58 Interview mit Lenka Nieblova, 9.12.2009.

59 Turrini, Peter: Die Privatisierung des Unglücks. Wir, die Barbaren – Nachrichten aus der Zivilisation. 21.8.2005, Salzburger Festspiele www.forum-wissenschaft. at/kommentare/kommentar34. html.

60 Sven-Axel Månnson, in: NIKK, Anm. 26, 24. Der Vergleich mit der Pornobranche bietet sich an: War in den 80ern noch Analsex der „Kick“ in Pornofilmen, ist die neueste Entwicklung Gonzo: Sex als Zerstörung. Es sei ein Paradoxon, schreiben Gail Dines und Robert Jensen, dass die zunehmende Brutalisierung der Pornographie – bei gleichzeitigem unverhohlenem Rassismus – diese nicht marginalisiere, sondern normalisiere. Vgl. Jensen, Robert, in: Emma (5/2007): Im Zentrum steht der Schmerz, www.emma. de/ressorts/artikel/porno-konsumenten/im-zentrum-steht-der-schmerz/ und Dines, Gail/ Jensen, Robert et al (1998): Pornography. The Production and Consumption of Inequality, Routledge. ARTE (2008): Jugend im Pornorausch. Im „Sex tourist’s Mecca“ Amsterdam bot Thomas Cook, eines der größten britischen Reiseunternehmen, geführte Touren durch das Rotlichtviertel für alle Altersstufen an, Kinder bezahlten die Hälfte. Proteste zeigten 2005 Wirkung; andere Unternehmen aber bieten weiterhin – nur für Erwachsene – Touren an (Jeffreys, Sheila: (2009): The Industrial Vagina. The political economy of the global sex trade. Routledge, 134, 135). Die Vermarktung der Frau als Sexualobjekt baut Hemmschwellen ab und fördert Gewalt: In den drei Jahren nach der Eröffnung von vier großen Lapdance-Clubs in Camden Town in Nordlondon stieg die Zahl der Vergewaltigungen (Walter, wie Anm. 57, 63). Eden, Isabel: Lilith Report on Lap Dancing and Striptease in the Borough of Camden www.childtrafficking. com/Docs/poppy_03_lap_dancing_0109.pdf.

61 Solwodi, Rundbrief Nr. 81 (2009): SOLWODI-Erfolg: Protestwelle gegen Flaterate-Bordelle www.solwodi. de/571. 0. htm. Das Gebäude des Flatrate-Bordells in Fellbach ist im Besitz von Prinz Marcus von Anhalt, dem „wahrscheinlich größten Bordellbetreiber in Deutschland“.

62 Ebd.

63 Emma (1/2011): Innenminister schlagen Alarm!, 48.

64 Sexkjøp i Sverige og Nederland reguleringer og erfaringer. Rapport fra Arbeidsgruppe om rettslig regulering av kjøp av seksuelle tjenester (2004) (Vgl Studie zwischen Schweden und den Niederlanden)

www.regjeringen. no/nb/dep/jd/dok/rapporter_planer/rapporter/2004/sexkjop-i-sverige-og-nederland. html?id=278400. Siehe auch: Skarstein, Thea Bull (2008): Forbud mot kjøp av sex – Erfaringer fra Sverige og Finland. Perspektiv 1/08, Stortingets Utredningsseksjon (Vgl. Studie zwischen Schweden und Finnland) www.stortinget. no/Global/pdf/Utredning/Perspektiv08_01.pdf. Eine der aktuellsten Verurteilungen: Aftenposten, 21.3.2011: PST-politimann dømt for sexkjøp. 47- åringen er ilagt en bot på 21.000 kroner, han er suspendert fra jobben (21.000 Kronen Strafe – 2. 700 Euro – für Beamten des Polizeisicherheitsdienstes wegen Sexkauf) www.aftenposten. no/nyheter/iriks/article4067490. ece.

65 Jonsdottir, Gudrun (2008): From denial to action. An Icelandic model to fight trafficking? http://soroptimist. is/soroptimistar/upload/files/ymislegt/vinadagar_2008_gudrun.pdf. Kolbrún Halldórsdóttir (2010): Kampen for kriminalisering af sexkøb – en kampsaga fra Island. In: Korsvik/Stø, wie Anm. 22, 105ff.

66 Information auf der nordischen Konferenz in Reykjavik, 24.10.2010.

67 European Women’s Lobby, 4.1.2011, „Ireland: New law to target demand for prostitution“ www.womenlobby. org/spip. php?article965&lang=en.

68 Der Standard, 30.3.2011: Frankreich will Freier von Prostituierten bestrafen (http://derstandard. at/1297821874887/Geldstrafe-Frankreich-will-Freier-von-Prostituierten-bestrafen).

69 Guðrún Jónsdóttir zit. in: Vermeiren, Marie, wie Anm. 45.

70 Carlshamre, Maria, 18.6.2006: F! Feministiskt initiativ www.feministisktinitiativ. se/debattartiklar. php?show=22. Zwar ist der Konsum von Zwangsprostituierten nun strafbar, erfordert aber eine Grenzziehung zwischen „freiwilligen“ und „gezwungenen“ Prostituierten. Solange die Betroffene aus Angst schweigt, sind der Polizei die Hände gebunden. Vgl.: Healy, Grainne/ O’Connor, Monica (2006): The Links between Prostitution and Sex Trafficking. Handbook

http://action. web. ca/home/catw/attach/handbook.pdf. Die Polizei schätzt, dass 45% der Sexkäufer in Estland aus Finnland kommen (Marttila, Anne-Maria: Finnish Men Buying Sex in Finland and Estonia. In: NIKK, wie Anm. 14, 73).

71 Levenkron/Dahan, wie Anm. 33, 34. 14. Karlsruher Gespräche. Organisierte Kriminalität – Schattenseiten der Globalisierung. 5. -7.2.2010.“Ich weiß von etlichen Fällen“, schreibt die Psychoanalytikerin Rotraud A. Perner, „wo mit Gratissex ‚eingekaufte‘ Journalisten kritiklos die erwünschten PR-Stories publizierten […] und damit die Bildung neuer Klischees förderten“, in: Nautz/Sauer, wie Anm. 43, 181.

72 Zit. in: Nestor, wie Anm. 16, 27.

73 2003 war mit Daily Planet Ltd. in Melbourne der erste Bordellbetrieb an die Börse gegangen, gleich am ersten Tag verdoppelten die Aktien ihren Wert (Schwarzer, wie Anm. 25, 144).

74 Danke an „Duerr“ für diesen Terminus, zit. aus dem Blog von Luise F. Pusch, feministische Sprachwissenschaftlerin und Autorin www.fembio. org.

75 The Wall Street Journal, 9.1.2006: Troy De, Colette/McPhail, Mary: The Oldest Crime.

76 Nach der Änderung des § 180a StGB gilt Prostitution nicht mehr als sittenwidrig, Förderung und Werbung sind nicht mehr strafbar (Bell, in: Ackermann, wie Anm. 4, 150).

77 Polskaweb News http://polskaweb. eu/legale-prostituierte-in-tschechischen-bordellen-7648671. html Bis dato kam es zu keiner Gesetzesänderung (tel. Auskunft, Presseabteilung der Österr. Botschaft in Prag, 12.4.2011).

78 In ihrem Antrag zur Liberalisierung der Prostitution verwendeten sie eine strikt geschlechtsneutrale Sprache. Ein politisch korrekter, nicht sexistischer Gebrauch der Sprache wurde so zu einer Art Verschleierung der Geschlechterdimension der politischen Realität, so Majda Hrenjak, in: Nautz/Sauer, wie Anm. 43, 115. Die Vereinte Liste der Sozialdemokraten in Slowenien konnte dieser Interpretation nicht zustimmen. Sie sehen Prostitution als geschlechtsspezifische sexuelle Ausbeutung auf Basis sozioökonomischer Zwangslagen.

79 Laut dem Lagebericht 2007 des BM.I. gibt es in Österreich 710 genehmigte Bordelle (Großteil in Wien und der Steiermark), und 5150 registrierte Prostituierte. Die Anzahl nicht registrierter Prostituierter wird für Wien auf ca. das Doppelte geschätzt; bundesweit liegen keine Schätzungen vor. (BM für Frauen und Öffentlichen Dienst, wie Anm. 5, 11, 12).

80 Vgl. auch Profil Nr. 24 (2010): Das Geschäft mit dem Sex. Prostitution in Österreich.

81 Daalder, A. L. (2007): Prostitution in the Netherlands since the lifting of the brothel ban, 87 www.wodc. nl/images/ob249a_fulltext_tcm44-83466.pdf.

82 Ebd., 70. Über 10% der niederländischen Gemeinden versuchen über den Umweg besonders hoher Auflagen Bordelle nicht zulassen zu müssen. Die kleine Salzburger Gemeinde St. Andrä, die Selbiges versuchte, wurde in „Thema“ mit dem Titel „Dorfposse“ der Lächerlichkeit preisgegeben, der „Rotlicht-König“ Norbert Sendlhofer hofiert, ORF, 8.11.2010.

83 Bericht der Bundesregierung zu den Auswirkungen des Gesetzes zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Prostituierten (Prostitutionsgesetz – ProstG) (2007), 36 www.bmfsfj. de/BMFSFJ/Service/Publikationen/publikationen, did=93304. html.

84 Ebd., 15ff. Von den schriftlich befragten Prostituierten (N = 305) gaben drei (1 %) an, einen Arbeits­vertrag als Prostituierte zu haben, veranlasst wurde dies in zwei Fällen vom Betreiber. Vgl Daalder, wie Anm. 81, 64-67.

85 Zit. in: Raymond, wie Anm. 21, 2: Why Sweden punishes buyers. Eigene Übersetzung.

86 BM für Frauen und Öffentlichen Dienst, wie Anm. 5.

87 Antwort per Mail vom Bundesministerium für Frauen und öffentlichen Dienst an die Autorin, 13.10.2010.

88 Claude, wie Anm. 34, 49.

89 Bergen Kommune, 21.2.2011: Åpnet unikt hotell https://www.bergen. kommune. no/omkommunen/avdelinger/byradsavd-for-helse-og-inkludering/349/article-81408.

90 Bergens Tidende, 25.11.2009: Prostituerte skal få drive hotell

www.bt. no/nyheter/lokalt/Prostituerte-skal-faa-drive-hotell-971172. html.

91 ROSA Reetablering, Oppholdssteder, Sikkerhet, Assistanse: www.rosa-help. no/

ROSA Re-Establishment, Organizing Safe Places to Stay, Security, Assistanse www.rosa-help. no/pdf/rosa_english.pdf.

92 NAHDHEIM Senter for kvinner og menn med prostitusjonserfaring www.bymisjon. no/Virksomheter/Nadheim/. Nadheim. Årsmelding 2009, 26. www.bymisjon. no/PageFiles/857/Nadheim_%C3%A5rsmelding_2009.pdf. Nadheim bietet mit der Schriftstellerin Kjersti Bronken Senderud norwegischen Prostituierten auch einen Schreibkurs an (Årsmelding 2009, 29).

93 Die Standard, 19.5.2010, Wiener 7-Punkte-Plan für Straßenstrich. In Österreich gibt es nur in Oberösterreich und Wien mit LENA und SOPHIE jeweils eine Beratungsstelle, die ausschließlich auf die Unterstützung von Prostituierten spezialisiert ist, sowie mit MAIZ und LEFÖ jeweils eine Organisation mit dem Schwerpunkt der Beratung von Migrantinnen in der Prostitution. Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol und Vorarlberg verfügen über keine spezifischen Beratungsstellen. (BM für Frauen und Öffentlichen Dienst, wie Anm. 5, 54). Vgl. Unterstützung für Prostituierte in Schweden: Claude, wie Anm. 34, 31ff.

94 Tertinegg, Karin, in: Nautz/Sauer, wie Anm. 43, 100ff.

95 Bericht der Bundesregierung zum Prostitutionsgesetz, wie Anm. 83, 12.

96 EMMA (2005): Arbeitsamt vermittelt Prostituierte! www.emma. de/index. php?id=394. 2008 gab die Bundesagentur für Arbeit eine „Durchführungsanordnung“ heraus, die die Zwangsvermittlung von Frauen in die Prostitution untersagte (Wer nicht spurt, kriegt kein Geld, Berliner Kampagne gegen Hartz IV (2009), 44 www.hartzkampagne. de/pdfs/broschuere_zu_sanktionen_2008_11_24.pdf).

97 Sozialleistungen. info, 8.5.2009: www.sozialleistungen. info/news/8.5.2009-arbeitsagentur-muss-einem-bordell-keine-prostituierten-suchen/.

98 Der Fall wurde 2005 publik. Die Protokolle wurden Elfriede Jelinek zugespielt, die sie zu ihrem Stück „Über Tiere“ verarbeitete (uraufgeführt 2007). Jelinek, Elfriede (2009): Über Tiere. Hörspiel. Christoph Merian Verlag.

Ausschnitte aus den polizeilichen Abhörprotokollen wurden vom Falter veröffentlicht. 24.8.2005, Florian Klenk: „Einfach hinklatschen“. Erst drohen sie, ihnen die Beine zu brechen, dann vermitteln sie minderjährige Mädchen als „Penthouse Pets“ an Staranwälte, Manager und Diplomaten. Ein Lauschangriff auf eine noble Wiener Begleitagentur zeigt, wie osteuropäische Mädchen in die Betten betuchter Herren geliefert werden. www.falter. at/web/print/detail. php?id=131.

99 Kreutzer/Milborn, wie Anm. 3, 38.

100 Claude, wie Anm. 34, 5. Der europäische Umsatz wird auf 10 Milliarden Euro jährlich geschätzt, der weltweite Umsatz auf 35 Milliarden US-Dollar (Ö1, 6.8.2010, Milliardengeschäft Menschenhandel http://oe1. orf. at/artikel/252756). Menschenhandel hat im Umfang Drogen- und Waffenhandel überholt – Menschen haben einen fortlaufenden Wert und können immer wieder verkauft werden. Die Zahl der weltweiten Opfer wird auf bis zu vier Millionen geschätzt (Kreutzer/Milborn, wie Anm. 3, 33, 38). Manche Schätzungen gehen von deutlich geringeren Zahlen aus. Menschenhandel ist ein Kontrolldelikt: Je mehr man sucht, desto mehr findet man. Der häufigste Weg für die Frauen aus dem Bordell heraus ist der durch eine Razzia (Ackermann, wie Anm. 4, 152). Der niederländische Berichterstatter gegen Menschenhandel geht davon aus, dass nur 5% der Opfer Behörden aufsuchen, selbst diese Zahl wird für zu hoch eingeschätzt (Kreutzer/Milborn, wie Anm. 3, 39). Die wenigen Täter, die verurteilt werden, erhalten geringere Strafen als bspw. Drogenhändler. Vgl. die Kritik an Österreich: Trafficking in Persons Report (2010). www.state. gov/g/tip/rls/tiprpt/2010/.

101 Kreutzer/Milborn, wie Anm. 3, 38.

102 Die Standard, 16.10.2009: Hintergrund: Sexuelle Ausbeutung macht größten Anteil aus.

103 Kvinnofrid, wie Anm. 7, 3.“Ein Bereich, der eng mit Prostitution zusammenhängt, ist Pornografie“. Nach einer Schätzung aus dem Jahr 2000 belaufen sich die Umsätze aus Pornografie auf 1, 5% des globalen BNP (Svensson, Eva-Maria: Sex säljer – ett globalt problem. In: NIKK, wie Anm. 14, 8). Die Pornobranche konnte ihre Internetpräsenz auf 420 Millionen Internetseiten erhöhen, verzeichnet täglich 68 Millionen Einträge in den Suchmaschinen (Womensphere, 13.8.2010: Pornland: How Porn Has Hijacked Our Sexuality. Interview mit Pornoforscherin Gail Dines http://womensphere. wordpress. com/2010/08/13/pornland-how-porn-has-hijacked-our-sexuality-%e2%80%93-gail-dines-interviewed/).“For most men, it starts with the soft voice that speaks to our deepest fear: That we aren’t man enough.“ (Jensen, Robert (2007): Getting Off. Pornography and the End of Masculinity, 33).

104 Claude, wie Anm. 34, 5.

105 Interview mit Mag.a Christiana Weidel, 4.2.2010.

106 Tjurjukanova, Elena: Verkaufte Körper. Arbeitsmigration in Rußland und der GUS. In: Osteuropa, wie Anm. 51, 158. Romani, Pierpaolo: Die Frauenhandelsströme und -routen aus Osteuropa. In: Nautz/ Sauer, wie Anm. 43.

107 Korrespondenz mit Mag.a Christiana Weidel, Okt. 2010.

108 Nautz/ Sauer, wie Anm. 43, 11.

109 Kreutzer/Milborn, wie Anm. 3, 73, 76, 180. Die deutsche Journalistin und Autorin Inge Bell war maßgeblich daran beteiligt, den Frauenhandelsskandal unter deutschen KFOR-Soldaten in Mazedonien aufzudecken. Sie wurde 2007 mit dem Preis „Frau Europas“ ausgezeichnet.

110 Ebd., 89. Fügen sich die Frauen nicht, werden ihre Angehörigen in Nigeria vor das Ayelala-Gericht zitiert, in deren Folge es häufig zu Todesfällen kommt. Im 19. und 20. Jahrhundert wendete Zwi Migdal, ein Menschenhändlerring, der osteuropäische Jüdinnen nach Südamerika verschleppte und rund 2.000 Bordelle und 30.000 Frauen besessen haben soll, ebenfalls religiöse Gewalt an: Die Frauen wurden von „falschen“ Rabbis mit ihren Zuhältern verheiratet. Vgl. Cozarinsky, Edgardo (2007): Man nennt mich flatterhaft und was weiß ich. . .

111 NIKK, wie Anm. 26, 8. UN. Gift Konferenz, 13.-15.2.2008.

112 Levenkron/Dahan, wie Anm. 33, 24ff.

113 Ciconte, Enzo (2005): The trafficking flows and routes of Eastern Europe, W.E.S.T. (women east smuggling trafficking), 371. www.regione.emilia-romagna. it/west/inglese/ricerche/flussi_rotte/pdf/report_finale.pdf

114 „Our investigations and research have found that Nicaraguan women are trafficked into Guatemala and Costa Rica, and Honduran women are trafficked into Guatemala and Mexico“, Ana Hidalgo, IOM, ipsnews 22.9.2010, http://ipsnews. net/news. asp?idnews=52940.

115 Kreutzer/Milborn, wie Anm. 3, 163.

116 Ebd., 164.“Glauben Sie denn im Ernst, dass Korruption und Frauenhandel eine nigerianische Spezialität sind?“, fragt ein Mann in der Moschee und amüsiert sich (ebd. 167).

117 Ebd., 173, 169). Der legale Arbeitszugang für AsylwerberInnen ist praktisch auf Prostitution beschränkt (nach einer Registrierung als Prostituierte wird der sogenannte „Deckel“ ausgestellt, der mit regelmäßigen gesundheitlichen Kontrollen verbunden ist. Sie arbeiten damit legal als Prostituierte). Weitere Beschäftigungsbewilligungen sind theoretisch für Saisonarbeit in der Land- und Forstwirtschaft und im Tourismus möglich, aber praktisch auf 6 Monate beschränkt und nur einmal verlängerbar (dazwischen müssen zwei Monate Unterbrechung liegen); die realen Möglichkeiten eines Erwerbs als neue Selbständige sind aufgrund fehlender finanzieller Mittel, Sprachkenntnisse und Ausbildungsvoraussetzungen nicht gegeben (BM für Frauen und Öffentlichen Dienst, wie Anm. 5, 46).

118 Ackermann, wie Anm. 4, 57. Aus den Niederlanden ist das „loverboy-System“ bekannt geworden: Burschen oder junge Männer gehen gezielt Beziehungen mit Mädchen ein, um sie später in die Prostitution zu verkaufen oder selbst zu prostituieren. Vgl.: Spiegel, 5.7.2010, Dialika Krahe: Morgens Mathe, mittags Hure www.spiegel. de/spiegel/0,1518,704727,00.html. Die Tatsache, dass die Gewalt von einer vertrauten und geliebten Person ausging, führt zu einem Totalzusammenbruch des Welturvertrauens.“I’ve heard all these stories about trafficking, but it did not even occur to me, that I was going to fall into that trap. I did not trust all these advertisements, I did not move with unknown people […] I moved to Germany together with my „friend“. On arrival 4 Albanians met us and my „friend“ sold me for, I think, 1,000 USD.“ (Sipaviciene, Audra: „You will be sold like a doll“. In: NIKK, wie Anm. 26, 13). Vgl. Jeffreys, wie Anm. 60, 134. Im Fall des nigerianischen Frauenhandels sind es hauptsächlich Frauen, die Frauen verkaufen: Meist Sexsklavinnen selbst, die sich über diesen Weg freikaufen. Vgl.“Die Madames: Frauen sind nicht nur Opfer“: Kreutzer/Milborn, wie Anm. 3,, 45ff.

119 Interview mit Dr. Erich Lehner, 27.8.2010.

120 SOU 2010, wie Anm. 19, 124f.

121 Claude, wie Anm. 34, 11. Straßenprostitution halbierte sich, Internetprostitution stieg weniger stark als in den Nachbarländern (SOU 2010, wie Anm. 19, 34, 35). In den 1970ern gab es 500 (verdeckt operierende) Bordelle und 3.000 Prostituierte, heute sind ca. 300 Frauen in Straßen- und 400 in Internetprostitution (Claude, wie Anm. 34, 11, 39). Für Amsterdam (750.000 Einw.) wird die Zahl der Prostituierten auf 20.000-35.000 geschätzt (ebd. 13). Der Anteil des illegalen Marktes in den Niederlanden, in Deutschland und in Teilstaaten Australiens, die den Prostitutionsmarkt liberalisierten, wird auf 70% bis 80% geschätzt. (Kvamme, 8).

122 SOU 2010, 128.

123 Interview mit Dr. Erich Lehner, 27.8.2010. Parker Hilda und Seymour legten in ihrer Studie zum Vater-Tochter-Missbrauch dar, dass Väter aus der Missbrauchergruppe auffallend wenig an der Pflege ihrer Kinder beteiligt waren.“Woran es ihnen mangelt ist die Erfahrung, aus einer intensiven Pflege- und Erziehungssituation heraus sich auf die Bedürfnisse der Kinder empathisch einstellen zu lernen.“ Lehner-Hartmann, Andrea (2002): Wider das Schweigen und Vergessen. Gewalt in der Familie, 174. – Skandinavische Studien zeigen, dass ab einer aktiven Beteiligung der Väter an der Haus- und Familienarbeit zu mindestens 42% das emotionale und psychische Wohlbefinden der Kinder steigt sowie ihre geistige Entwicklung positiv beeinflusst wird (Gespräch mit Erich Lehner am 27.1.2011). Vgl. Lehner, Erich (2011): Brauchen Jungen männliche Vorbilder?

124 Troll-Borostyáni, Irma von, wie Anm. 17, 189.

125 Mailkorrespondenz vom 30.7.2008.

 

 

Weiterführende Literatur

Aboriginal Womens Action Network Statement Opposing Legalized Prostitution & Decriminalization of Prostitution, Canada www.awanbc.ca/aboutus.html#Oppose.

Bauer, Wolfgang (2009): Die Hurenkinder. Auf den Philippinen leben Zehntausende Jungen und Mädchen, deren Väter westliche Freier sind. (EMMA Männerpreis 2010). www.wolfgang-bauer.info/pages/reportagen/2009_hurenkinder/hurenkinder.html.

Der Tagesspiegel, 1.5.2010: „Die neue Sklaverei braucht keine Ketten“. Menschenhandel und Sex-Mafia: Lydia Cacho recherchierte fünf Jahre in 47 Ländern. Günter Wallraff sagt, er kenne keine mutigere Frau als sie. Interview: Philipp Lichterbeck

www.tagesspiegel.de/zeitung/die-neue-sklaverei-braucht-keine-ketten/4115860.html.

EMMA (2009): Unbeliebt gemacht www.emma.de/ressorts/artikel/prostitution/freier-kritik-eu/

Farley, Melissa/Jacqueline, Lynne: Prostitution of Indigenous Women: Sex Inequality and the Colonization of Canada’s First Nations Women www.rapereliefshelter.bc.ca/learn/resources/prostitution-indigenous-women-sex-inequality-and-colonization-canadas-first-nations-.

Grenz, Sabine (2005): (Un)heimliche Lust. Über den Konsum sexueller Dienstleistungen.

Hauksdóttir, Katrín (2010): Stjórnmálafræðideild. Combating Human Trafficking and Prostitution. State Mechanism and Civil Society in a Nordic Context http://skemman.is/stream/get/1946/5014/15004/1/FINAL_THESIS.23.4.2010.pdf.

Mayer, Susanne (2005): Im Land der weiblichen Männer. www.zeit.de/2005/21/Frauen_Schweden.

NIKK (2.2008): Tema: Prostitusjon. Versjon 2.0. Endrede former utfordrer lovgiving og sosial praksis. Nordic Institute for Women?s Studies and Gender Research http://nikk.no/filestore/Publikasjoner/NIKK_magasin/NIKKmag2_08.pdf

Nussbaum, Martha C. (2002): Konstruktion der Liebe, des Begehrens und der Fürsorge.

Drei philosophische Aufsätze. Reclam.

Raymond, Janice (2003): 10 Reasons for Not Legalizing Prostitution www.rapereliefshelter.bc.ca/learn/resources/10-reasons-not-legalizing-prostitution.

„Scars in my Heart“ (2008): Eleven women in Norway on trafficking, prostitution and how they escaped (ROSA-help.no www.rosa-help.no/)

http://eng.portretter.no/_kvinnerirosa/c54576/biografi/vis.html?tid=55158&strukt_tid=54576.

Survivors of Prostitution and Trafficking Manifesto (2005), European Parliament. „Who represents Women in Prostitution?“ www.nomas.org/node/137.

Tidholm, Svante (2010): Like a Pascha: A Film about Men and Sex. Film über das Pascha in Köln, Europas größtem Bordell. Besitzer Hermann Müller bietet auch die Produktion von Pornofilmen bei „Porno-Parties“ an, für die jeder Teilnehmer 100 Euro zahlt; Filialen in München, Salzburg und Linz (EMMA Frühling 2011). www.emma.de/hefte/ausgaben-2011/fruehling-2011/prostitution-like-a-pascha/