Frankreich: Ein historischer Tag!

Heute Abend hat die französische Nationalversammlung für ein neues Prostitutionsgesetz nach dem Vorbild des Nordischen Modells gestimmt.  Frankreich ist somit nach Schweden, Island, Norwegen und Nordirland das vierte Land in Europa, das gegen das System Prostitution politische Schritte setzt. Für die Mehrheit der französischen Abgeordneten ist Prostitution Gewalt an sich und ein Hindernis am Weg zu Gleichstellung der Geschlechter.

Die Kernstücke des französischen Gesetzes sind:

  • ein Sexkauf-Verbot, das nicht die Prostituierten unter Strafe stellt, sondern jene, die das sexistische System Prostitution aufrechterhalten – die Sexkäufer. Das Sexkauf-Verbot hinterfragt das ‚männliche Recht’ auf sexuelle Befriedigung und soll die Nachfrage nach Prostitution und somit auch den Menschenhandel eindämmen.
  • umfassende sozial-, gesundheits- und berufspolitische Unterstützungsmaßnahmen, wie etwa Ausstiegshilfen für Prostituierte in Form von beruflichen (Um-)Schulungen und Bildungsangeboten. Damit sollen den Frauen alternative Verdienstmöglichkeiten außerhalb der Prostitution eröffnet werden. Das französische Gesetz sieht für ausstiegswillige Prostituierte außerdem ein vorübergehendes Aufenthaltsrecht, die Gewährung einer finanziellen Unterstützung (Sozialhilfe) und den Erlass der Steuerschulden vor.
  • Bildungsprogramme an Schulen, die Geschlechtergleichstellung und ein positives, respektvolles Bild von Sexualität zum Inhalt haben.

Die Initiative STOPP SEXKAUF fordert auch für Österreich den „Französischen Weg“, weil es in einer egalitären Gesellschaft kein „Herrenrecht“ auf Sexualität geben darf. Prostitution als „Sexarbeit“ bzw. als „Dienst am Mann“ tausenden Frauen als Arbeitsplatz-Option schmackhaft machen zu wollen, zeugt von politischer Konzeptlosigkeit und Zynismus und unterminiert sämtliche Antidiskriminierungsbemühungen.

Brisanz bekommt das Thema durch die aktuelle Flüchtlingsdramatik: Da Österreich Asylsuchenden kaum Möglichkeiten bietet, ein Einkommen zu erwerben – außer u.a. in der Erntearbeit oder als „Selbstständige“ in der Prostitution – ist zu erwarten, dass noch mehr Frauen gezwungen sind, fürs nackte Überleben ihren Körper anzupreisen. Daher fordern wir die Öffnung sämtlicher Bereiche des Arbeitsmarktes für Asylsuchende.

Alle Forderungen der Initiative STOPP SEXKAUF sind auf unserem POSITIONSPAPIER  zu finden.