Positionspapier der Initiative STOPP SEXKAUF

Prostitution ist ein System, das Menschen das Recht einräumt, über den Körper anderer Menschen gegen Bezahlung zu verfügen.

Dieses „Recht” verursacht Frauenhandel in einem nie da gewesenen Ausmaß und schafft einen Markt, auf dem die Profitierenden des Systems immer mehr Macht und immer höhere Gewinne erzielen. Mit Prostitution verbunden sind aber auch Erniedrigung, Zwang, Gewalt, schwere körperliche und seelische Verletzungen.

Die österreichischen GesetzgeberInnen sind verpflichtet, die Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu fördern sowie auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinzuwirken (Art. VII Abs. 2 Bundesverfassungsgesetz). Im System Prostitution wird jedoch das Gegenteil von Gleichberechtigung praktiziert, denn es handelt sich dabei nicht nur um ein hochgradig vergeschlechtlichtes Phänomen – rund 95% der Prostituierten sind weiblich – sondern Prostitution ist auch eine der ältesten Formen sexueller Ausbeutung von Mädchen und Frauen und somit Ausdruck einer gravierenden Ungleichheit zwischen den Geschlechtern. Prostitution als ‚freiwillig’ gewählte/n Beruf/Dienstleistung zu bezeichnen – quasi als Zugeständnis an die Terminologie des neoliberalen Verwertungsprozesses – normalisiert das Bild der Frau als „Objekt“, zementiert geschlechterhierarchische Einstellungen und läuft somit sämtlichen Anti-Diskriminierungsbemühungen zuwider. Das Verfügen über andere Menschen und ihre Körper ist kein individuelles Recht! Heute würde es kein demokratischer Staat mehr wagen, Sklaverei zu rechtfertigen, sie zu organisieren und prosperieren zu lassen. Das Gleiche muss auch für das System Prostitution gelten!

Hier geht es nicht um eine Moral, die eine Auseinandersetzung mit Sexualität scheut. Es geht um unveräußerliche Menschenrechte, eine Ethik, die das Menschliche unter den Menschen als Kulturleistung einfordern muss.

Es gibt demokratische Länder, in denen es undenkbar ist, dass sich jemand die Freiheit und das Recht nimmt, eine/n andere/n zu kaufen. Zum Beispiel in Schweden, Norwegen, Island, Nordirland, Kanada ist Sexkauf verboten. Dort wachsen Buben mit der Selbstverständlichkeit auf, dass Frauen keine Objekte sind und Sexualität keine Ware ist. Im krassen Gegensatz dazu ist der Markt für Sexkauf in Deutschland, den Niederlanden und Österreich liberalisiert. Die Folge: Diese Länder sind zu Drehscheiben des internationalen Frauenhandels geworden. Während die Prostituierten unter inakzeptablen Bedingungen ‚arbeiten’ müssen, erfahren die Profitierenden der Vermarktung von Menschenkörpern (Bordellbetreiber, Zuhälter, Menschenhändler, Partner…) einen gesellschaftlichen Aufstieg als Unternehmer, Manager und Geschäftsführer.

Prostitution degradiert Sexualität zur Ware und suggeriert, dass Frauen – und zwar alle Frauen – permanent sexuell verfügbar sind. Das Zugeständnis, das eine Gesellschaft macht, wenn sie dieses patriarchale System der Prostitution zulässt, führt dazu, dass der Frau ihr individuelles Recht, Nein sagen zu können, abgekauft wird. Dabei ist nicht von Belang, ob eine Prostituierte sich „freiwillig” prostituiert oder nicht. Von „Freiwilligkeit“ kann in der Prostitution ohnehin kaum die Rede sein.

Viele Frauen prostituieren sich, um überleben zu können. In Österreich sind ca. 90% der Prostituierten Migrantinnen und Flüchtlinge. Viele von ihnen gehören einer gesellschaftlichen Minderheit (z.B. Roma) an und sind einer mehrfachen Diskriminierung ausgesetzt – als Frau, als Ausländerin und Angehörige einer Minderheitengruppe. Insbesondere Asylsuchenden bietet der österreichische Staat kaum Möglichkeiten, ein Einkommen zu erwerben. Da eine Anstellung per Gesetz mit wenigen Ausnahmen, wie Ernte- und Saisonarbeit, verboten ist, bleibt vielen nur die Selbstständigkeit. Prostitution, die seit 2012 zum Berufsfeld der „neuen Selbstständigen“ zählt, ist für viele marginalisierte Frauen der einzige Weg Geld zu verdienen.

In Österreich obliegt die gesetzliche Regelung von Prostitution den einzelnen Bundesländern. Die Folge sind unterschiedliche Vorschriften, die aber alle nur das Ziel haben, die Prostitution von der Straße in die Bordelle zu verlagern. Nach dem Motto: „Aus den Augen, aus dem Sinn“. Kritik an dieser heuchlerischen Politik wird ebenso ignoriert wie die Tatsache, dass Prostituierte einem hohen Gewaltrisiko ausgesetzt sind. Sie werden misshandelt, bedroht, vergewaltigt und leiden unter posttraumatischen Belastungsstörungen sowie an psychischer Dissoziation. Um all das ertragen und sich ein vorübergehendes Vergessen verschaffen zu können, greifen viele Frauen zu Drogen und Alkohol.

Es darf nicht sein, dass Frauen mit ihrem Körper den Preis für fehlende (Verteilungs-) Gerechtigkeit bezahlen müssen und gezwungen sind, ein Leben in fortgesetzter Ausbeutung und Gewalt zu führen! Solange es eine Gesellschaft toleriert, dass man über den Körper anderer gegen Bezahlung verfügen darf, solange wird es keine Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern geben. Daher bedarf es eines Perspektivenwechsels – weg von der Liberalisierung und Regulierung der Prostitution hin zur Bekämpfung der Nachfrage. Nicht die Prostituierten, sondern die Sexkäufer, die Zuhälter und Bordellbetreiber müssen ins Visier des Gesetzes genommen werden!

Daher fordern wir in Österreich

  • Ein gesetzliches Sexkaufverbot, auch „Freierbestrafung“ genannt, das den Sexkauf unter Strafe stellt. Dabei werden nicht die Prostituierten sondern die Prostituierer gesetzlich belangt.
  • Verbot der Profitnahme aus dem Verkauf sexueller Handlungen durch Dritte. Das bezieht sich nicht nur auf die Zuhälterei, sondern gilt auch für Prostitutionslokale jeglicher Art.
  • Ein bundesweites Werbeverbot für Prostitution und Prostitutionslokale.
  • Ausstiegshilfen für Prostituierte in Form von beruflichen (Um-)Schulungs- und Bildungsmaßnahmen, die Frauen alternative Verdienstmöglichkeiten außerhalb der Prostitution eröffnen.
  • Ökonomische Unterstützung, wie z.B. der Erlass von Steuerschulden.
  • Den Ausbau niederschwelliger, flächendeckender Unterstützung im Bereich von Gesundheitsversorgung, Schuldenberatung, Kinderbetreuung, sowie Therapiemöglichkeiten und Hilfe bei Behördengängen etc.
  • Verbesserte Aufenthalts- und Bleiberechte für Opfer von Menschenhandel, die aus Drittstaaten stammen und migrierte Prostituierte. Und zwar unabhängig davon, ob sie bereit sind gegen ihre Ausbeuter auszusagen oder nicht.
  • Schulung von Polizei, Sozialdiensten und Behörden zur Umsetzung des gesetzlichen „Sexkauf-Verbots“.
  • Bildungsprogramme an Schulen, die die Gleichstellung der Geschlechter und ein positives, respektvolles Bild von Sexualität zum Inhalt haben und Geschlechterbilder in Prostitution und Pornografie kritisch reflektieren.

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