Prostitution im neoliberalen Mainstream

Im  “Gaismair-Jahrbuch 2015”, dem politischen Jahrbuch der Michael-Gaismair-Gesellschaft, gibt es einen Schwerpunkt zum Thema “Prostitution im neoliberalen Mainstream”. U.a. mit Beiträgen über “Die Debatte um Prostitution in Deutschland” von der Juristin Rahel Gugel, über “Prostitution zwischen ‘männlichem Herrenrecht’ und neoliberaler Normalisierung” von Alexandra Weiss und über “Männer, die Sex kaufen – ihre Motive und korrespondierende Männlichkeitsbilder” von Erich Lehner. Außerdem gibt es ein ausführliches Interview (geführt von Susanne Riegler) mit Viktoria, einer 34 jährigen Frau, die sich 10 Jahre lang als Prostituierte durchschlug und mehrmals von Frauenhändlern weiterverkauft wurde. In der folgenden Passage geht es um den 3. Verkauf:

“Dieser Mann wirkte sympathisch, erzählte, dass er selbst eine Tochter habe, die aber bei der Mutter lebe. Er hat mich von der Straße mitgenommen. Dann aber hat er mich geschlagen und in eine Bar gebracht, in eine Diskothek. Er hat mich anderen Männern gegeben mit denen ich schlafen musste. 
Er wollte mich an einen Bekannten weiter verkaufen. Der hat mich aber nicht gewollt, weil ich ein ‚Mädchen ohne Familie’ war. Kein Zuhälter will Mädchen ohne Familie, denn dann können sie es nicht unter Druck setzen. Zu dem Zeitpunkt war ich 18, 19 Jahre alt. An der bulgarisch-rumänischen Grenze hat er mich dann an jemanden von einer Autobahntankstelle verkauft. Ich weiß nicht, was ich ‚wert’ war, denn ich war bei den Preisverhandlungen nie dabei. Ich selbst habe nie was bekommen. Ich habe nur für Unterkunft und fürs Essen gearbeitet. Fürs nackte Überleben”.

Das Buch ist über den  Studienverlag zu beziehen und kostet 14,50 Euro.