„Sexwork-Info Kärnten“

Ein Kommentar von Lena Weiher

Die Arbeitsgruppe „Prostitution“ des Landes Kärnten schreibt in ihrem Positionspapier, dass viele Frauen und Männer durch Sexdienstleistungen ein existenzsicherndes Einkommen erzielen und bewusst diese Tätigkeit anderen – meist schlechter bezahlten – Alternativen vorziehen. Sie hält in ihrem Jahresbericht 2015 aber fest, dass etwa 95 % der legal in Österreich tätigen SexdienstleisterInnen MigrantInnen sind, mehrheitlich aus Osteuropa.

Prostitution nur eine Frage der freien Wahl existenziell abgesicherter Frauen oder doch eine Folge des Macht- und Einkommensungleichgewicht zwischen Mann und Frau? Bzw. die Folge der Kluft zwischen dem reichen Europa und dem wirtschaftlich schwachen Osteuropa, wo Frauen beide Hürden zu meistern haben?

Nach dem Frauenreferat Kärnten eine freie Wahl, denn es definiert in seiner Broschüre “Sexwork-Info Kärnten“  Prostitution als reine Dienstleistung und nicht den Verkauf  eines Körpers. Nur keine Bedenken wecken! Weder, dass man sich eines Menschen bedient, noch über die Ursachen der Prostitution.

Da ist man beinahe geneigt,  dem Frauenreferat von Kärnten die Richtlinie von amnesty international  zur Einhaltung der Menschenrechte für SexarbeiterInnen ans Herz legen. Trotz der viel kritisierten Signalwirkung dieser Richtlinie betrachtet amnesty Prostitution im Gegensatz zum Frauenreferat zumindest als ‚vielschichtig‘. Es fordert  von Staaten neben der Einhaltung der Menschenrechte von SexarbeiterInnen auch die Abschaffung der Benachteiligung von Frauen, die vielfach zur Sexarbeit führt.

 „Staaten sind durch internationales Recht verpflichtet …. geschlechterbasierte Diskriminierung  und strukturelle Ungleichheiten anzugehen, um sicher zu stellen, dass Menschen nicht auf Sexarbeit als Mittel zum Überleben angewiesen sind.“

Eine differenzierte Positionierung des Frauenreferats von Kärnten im Sinne von amnesty international hätte ich mir gewünscht. So trägt das Frauenreferat zur Normalisierung der Prostitution bei und entbindet jeden Freier von seiner Verantwortung dem Mitmenschen gegenüber.