KOMMENTAR von SUSANNE RIEGLER

Das althergebrachte Verständnis von Sexualität als ‚Dienst am Mann‘ lebt in den Köpfen der Bundesregierung und damit auch in der Prostitution weiter. Egal, wie viel Gewalt dabei im Spiel ist.

Wochenlang waren sexistische und frauenverachtende Details aus den Epstein-Files fixer Bestandteil der öffentlichen Berichterstattung. Täglich bekamen wir vor Augen geführt, wie Männer Mädchen und junge Frauen als Masturbationsvorrichtung benützt oder als Behältnis für ihre sexuelle Entladung missbraucht haben und wie sie sich dann in ihren Foren und Emails verachtend und auf abstoßendste Weise über die „Brauchbarkeit“ der Mädchen und Frauen unterhalten haben. Solche Monster gibt es in allen Gesellschaftsschichten, sie treten, wie der Pelicot-Prozess in Frankreich gezeigt hat, als Banden auf und sie frequentieren scharenweise Prostitutionseinrichtungen. Rund um die Uhr und weltweit. Nur: während das misogyne Verhalten auf der einen Seite allgemeines Entsetzen auslöst, gilt das gleiche Verhalten am Straßenstrich, in den Verrichtungsboxen, in Bordellen oder Laufhäusern als ‚normal‘, legal und gesellschaftlich akzeptiert. Prostitution ist in Österreich ein gesellschaftlich und staatlich geschütztes Biotop.

Obwohl

  • Prostitution die extremste Form männlichen Zugriffs auf den Körper von Frauen darstellt und das Konzentrat von Sexismus, Rassismus, Körperkolonialismus, Klassismus ist,
  • es zum „Berufs“-Risiko von Prostituierten gehört, ganz legal gewürgt, an den Haaren gerissen, hochschwanger penetriert, bei „Gang Bangs“ von bis zu 20 Freiern benützt zu werden,
  • Frauen in der Prostitution im Vergleich zu anderen Frauen um ein x-Faches gefährdeter sind, umgebracht zu werden,

hält die österreichische Bundesregierung daran fest, dass Prostitution eine anerkannte „Arbeit“ bzw. „Dienstleistung“ (Dienst am Mann) sei und nichts mit Gewalt zu tun habe. Und wohl deshalb hat der Nationale Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen, der im November 2025 präsentiert wurde, dem Thema Prostitution keine Zeile gewidmet.

Meint die Regierung also allen Ernstes, dass, wenn man ein teilweise hochkriminelles, gefährliches Milieu zum „Arbeitsplatz“ und Dienstleistungssektor aufwertet, die Gewalt in der Prostitution und die Gewalt, die durch das System Prostitution verursacht wird, eliminieren kann?? Ich fürchte ja: denn in der Frauensektion im Bundeskanzleramt gibt es die Arbeitsgruppe Sexuelle Dienstleistungen, die die Regierung im Umgang mit Prostitution berät. Diese Arbeitsgruppe, in der keine einzige NGO oder Expertin vertreten ist, die für das ‚Nordische Modell‘ (Sexkaufverbot) eintritt, hat den Begriff „Prostitution“ mehr oder weniger annulliert, also einfach aus ihrem Vokabular gestrichen. Und zwar mit einer Begründung, die man sich auf der Zunge zergehen lassen muss: der Terminus ‚Prostitution‘ würde „Bilder von Ausbeutung und Gewaltanwendung“ vermitteln und sei daher ein „abwertend konnotierter Begriff“. So stehts auf der Homepage des Frauenministeriums.

Prostitution ist kein Nischenthema, sie ist Nährboden für neue Gewalt, Ursache für Menschenhandel, fördert die organisierte Kriminalität, den Rassismus, traumatisiert Frauen und Mädchen psychisch wie physisch ein Leben lang!

Wer es ernst meint mit der Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen, MUSS ein Verbot der kommerziellen Benützung und Ausbeutung von Frauenkörpern, kurzum ein Sexkaufverbot nach dem ‚Nordischen Modell‘, ganz oben auf die To-do-Liste setzen, alles andere wäre eine Farce.