Bundestagsabgeordnete für das Nordische Modell

Seit dem Corona-Lockdown sind in Deutschland, wie auch in Österreich, die Prostitutionsstätten geschlossen. 16 deutsche Bundestagsabgeordnete wollen, dass es auch dabei bleibt. In einem Brief an die Landesregierungen fordern sie das „Nordische Modell“.

Die Bordellbetreiber drängen auf rasche Wiedereröffnung der Bordelle um so rasch wie möglich wieder Geld zu verdienen. Dabei schieben sie das Elend der Prostituierten vor, die seit dem Lockdown vor dem Nichts stehen. Ein absurdes Narrativ, denn gerade die Corona-Krise hat gezeigt, dass das ‚Arbeitsbett‘ auch die Schlafstätte vieler Frauen ist und sich die Frauen selbst nach vielen Jahren in der Prostitution keine Existenz aufbauen konnten. Sollten die Bordelle wieder aufsperren, dann geht es um mehr als um das Einhalten von „Social Distancing“. Prostitution sei auch in Nicht-Corona-Zeiten in den meisten Fällen „menschenunwürdig, zerstörerisch und frauenfeindlich“ heißt es in dem Brief der 16 Abgeordneten an die Landesregierungen. Die PolitikerInnen verweisen auf die vielen sexuellen Übergriffe und vor allem auch auf die „massiven physischen und psychischen Verletzungen durch vielfache, erzwungene Penetration“, in der Prostitution. Ihnen würde „ein Verbot des Sexkaufs und eine Tätigkeit bzw. Ausbildung in einem existenzsichernden Beruf“ mehr helfen als die Wiedereröffnung von Bordellen, so die Abgeordneten, die übrigens nicht irgendwelche PolitikerInnen sind: mit dabei sind u.a. Annette Widmann-Mauz, die Vorsitzende der CDU-Frauenunion und Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, sowie der ehemalige Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach und Leni Breymaier. Da die Corona-Krise mit doppelter Härte gezeigt hat unter welch erbärmlichen Bedingungen Frauen in der Prostitution leben und arbeiten müssen – viele konnten sich nach jahrelanger ‚Arbeit‘ nicht einmal das Zugticket in ihr Heimatland leisten –  fordern Lauterbach & Co die Einführung des „Nordischen Modells“. Dieses bereits in Schweden, Norwegen, Island, Irland, Frankreich und Kanada erprobte und in Israel verabschiedete Gesetz, das u.a. ein Sexkauf-Verbot beinhaltet, definiert Prostitution als Gewalt und Angriff auf die Gleichstellung der Geschlechter. Darüber hinaus sieht es eine Reihe sozial-, gesundheits- und berufspolitischer Maßnahmen vor, wie Ausstiegshilfen in Form von Schulungen, Trainings und Bildungsangeboten zur Ermöglichung alternativer Verdienstmöglichkeiten vor.